Kohle-orientierter Vertrieb

Geldsack kohleorientierter VertriebMein Schwager, ein „alter Vertriebshase“ erzählt von unfreundlichen Bezeichnungen: „Immer dieser kohle-orientierte Vertrieb“. Er wollte für den Verkauf eines zusätzlichen, erklärungsbedürftigen Produktes ein zusätzliches Incentiv. Solche Beschimpfungen kennt keiner von uns. Und außerdem – wer will im Vertrieb Geld verdienen?

Ich gehe in den Vertrieb weil ich Spaß haben will. Spaß wobei?

Vertrieb ist überhaupt nicht anstrengend. Zwar ist man beim Kunden immer allein, aber die Kunden melden sich sehr häufig auch bei positiven Erfahrungen. Und bei Beschwerden sind sie ganz zurückhaltend.

Außerdem kommen neue Kunden bekanntermaßen von alleine. Die heutigen Produkte sind so gut und haben so viele Alleinstellungsmerkmale – da rennen uns die Kunden die Bude ein. Vorbei mit der aufwändigen Kaltakquise.

Wenn der Vertrieb ein Angebot für ein innovatives Produkt in das Unternehmen bringt, fallen ihm alle um den Hals. Die Töne von wegen „keine Chance, keine Ressourcen und außerdem kannst Du mal die guten alten Produkte verkaufen“ gehören lange der Vergangenheit an.

Außerdem machen die Vertriebsleute sowieso nichts anderes als mit den Kunden essen zu gehen. Die hierbei geführten Gespräche sind garantiert immer interessant und spannend.

Daneben kommen die Vertriebsleute spät und gehen früh. Und Dienstreisen deutschlandweit oder international sind nicht mit langen Wartezeiten auf zugigen Bahnhöfen und öden Flughäfen verbunden, Staus auf den Autobahnen kennt man kaum noch – oder etwa doch?

Im Vertrieb sitze ich immer zwischen den Stühlen, zwischen meinem bzw. meinen Kunden und meinem eigenen Unternehmen. Etwas für Sitz-Masochisten?

Warum tue ich mir das also dennoch an? Natürlich weil ich Geld verdienen will. Und weil ich Spaß habe am Vertrieb, trotz alledem. Sonst gibt es nämlich viel bequemere Wege – und letztendlich steht gerade der Vertrieb jedem offen.

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